Die Steiermärkische Berg- und Naturwacht»Wasser»Neue Lebensräume an der Mur
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Neue Lebensräume an der Mur

Ein LIFE-Natur Projekt zur Verbesserung des Zustandes der Mur

 

Zwischen 2003 und 2007 wurde an der Oberen Mur ein

LIFE-Natur Projekt als inneralpines Flussraummanagement

durchgeführt und dabei konnten beachtliche Erfolge in Bezug auf die Verbesserung des Zustandes dieses bedeutendsten Flusses unserer Region erzielt werden.

Die Mur - ein Lebensraum für viele

Die Berg- und Naturwacht der Bezirke Judenburg, Knittelfeld und Murau wurde am

26. September 2009 von der Naturpark Akademie Steiermark eingeladen, sich, begleitet und geführt von den Verantwortlichen des Projektes
DI Peter PARTL und DI Jörg RADERBAUER vom freiland Umweltconsulting davon zu überzeugen, wie sinnvoll und zielführend diese Maßnahmen in der Natur wirklich waren.

Das Projekt "Inneralpines Flußraummanagement Obere Mur"
Dipl.Ing. Peter PARTL von freiland Umweltconsulting erklärt das Projekt "Lebensraum Mur"

Ziel dieser Exkursion war es, die flusstypischen Strukturen sowie die immense Gestaltungskraft der Mur kennen und auch erkennen zu lernen.

 

Der natürliche Zustand der Mur hat sich durch menschliche Eingriffe und ihre Auswirkungen über die Jahre massiv verändert - und das nicht immer zum Vorteil der Landschaft und der darin lebenden Flora und Fauna.

flusstypische Strukturen

Durch großangelegte Restrukturierungsmaßnahmen hat man nun Möglichkeiten zur Verbesserung des Zustandes der Mur, der daran angrenzenden Auwälder und der Lebensbedingungen der damit in Verbindung stehenden Fische, Amphibien und Insekten gefunden.

 

Während der 4-jährigen Projektlaufzeit wurden mehr als 90 Flusskilometer fischpassierbar gemacht und die Durchgängigkeit dieses Fließgewässers durch sogenannte Fischwanderhilfen sichergestellt.

Lebensraum Mur auch für Naturliebhaber und Spazierengeher - der Ortseinsatzleiter der Bergwacht Weißkirchen mit Hund

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde systematisch der Gewässerausbau der Mur betrieben, Flussschleifen, Nebenarme und Auwälder wurden dabei vom Flusslauf abgetrennt.

Die daraus resultierenden ökologischen Auswirkungen für den Lebensraum Mur wurden durch die Errichtung von Wehranlagen und Querwerken verstärkt.

 

Das Resumee daraus war ein massiver Lebensraumverlust für viele Tier- und Pflanzenarten, die Fische zum Beispiel wurden von ihren angestammten Laichgebieten abgeschnitten.


Ziel des LIFE-Projektes „Inneralpines Flussraummanagement Obere Mur“ ist es nun, die noch vorhandenen naturnahen Auen- und Flusslandschaften der Mur zu sichern beziehungsweise die Entstehung Neuer zu initiieren. Möglich wurde dies durch die erfolgreiche Anbindung beziehungsweise
Neuanlage von Nebenarmen.

 

Der oben genannten fischpassierbaren Gewässerstrecke, sowie dem Ankauf von rund 15 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche für die Entwicklung von Auwäldern steht eine Investitionssumme von nicht weniger als 2,2 Millionen Euro mit einer 50%igen Förderung durch die EU gegenüber.

 

Die erfolgreiche Umsetzung des Projektes ist auf das positive Zusammenwirken des Projektträgers Land Steiermark mit den Fischereiberechtigten, den Murauer Stadtwerken und der Baubezirksleitung Judenburg zurückzuführen.

Auwald am Murufer in Laing bei Zeltweg
die Weyern-Au

Im Gemeindegebiet von Spielberg, in Laing, wurde im Winter 2007 die Mündung eines Nebengewässers fischpassierbar umgebaut.

 

In der Weyern-Au (flussabwärts des Mursteges zwischen Weyern und Großlobming) wurde auf einer Länge von rund 1,3 km mehr Platz für die Entwicklung natürlicher Flusslebensräume geschaffen.


Es wurden zwei Nebenarme zur Mur angelegt, die Inseln dazwischen sind ungesichert, wodurch der Fluß natürliche Gewässer- und Uferstrukturen ausbilden kann.

natürliche Gewässer- und Uferstruktur am Nebenarm der Mur in Weyern
herrlich zum Erholen - Murufer-Spaziergang

Flachwasserzone als Amphibienlaichgewässer

 

 

Die im Hinterland angelegten Autümpel mit den großen Flachwasserzonen sind in kürzester Zeit zu idealen Amphibienlaichgewässern geworden.

 

Der flussabwärts an den neuen Nebenarm angebundene „Altarm“ stellt jetzt einen wertvollen Winterruhe- und Rückzugsraum für die Fischfauna dar.


Durch die Abholzung etlicher Hektar Fichtenforst kann sich natürlicher Auwald entwickeln, dadurch hat sich auch die Zugänglichkeit zu den Gewässern für Naturliebhaber verbessert.
die Weyern-Au bei Zeltweg
reaktivierter Nebenarm der Mur

Bei Thalheim wurde im Frühjahr 2005 ein abgetrennter Altarm der Mur wieder angebunden und teilweise neu geschaffen.

 

Auch hier hat der Fluss durch schwerpunktmäßige Entfernung der vorhandenen Ufersicherung wieder die Möglichkeit zurückerhalten, natürliche Uferstrukturen auszubilden.

Einöd bei Thalheim

Als waldökologische Maßnahme wurde eine gezielte Fichten- und Hybridpappelrodung durchgeführt und durch Steckhölzer und Wurzelstöcke die Entstehung von natürlichem Auwald gefördert.

 

Durch die Reaktivierung und Neugestaltung von Augewässern wurden Laichmöglichkeiten für gefährdete Amphibienarten geschaffen.

Naherholungsgebiet Einöd bei Thalheim
herrliches Wasser, purer Genuß

zum Baden geeignet
In der St. Peterer-Au, zwischen Judenburg/St.Peter und Pöls, wurde im Jahr 2004 zunächst ein Nebenarm errichtet.
zur St. Peterer-Au

 

Durch das Hochwasser im September 2005 entstand unmittelbar flussabwärts ein cirka 30 Meter langer und 60 Meter tiefer Ufereinriss.

 

Im Rahmen des Projektes „Murerleben“ wurde daraufhin ein Großteil des Innenbogens zwischen dem neuangelegten Nebenarm und der Mur in das öffentliche Wassergut übernommen.

 

Dadurch konnten die durch das Hochwasser entstandenen, natürlichen Strukturen erhalten werden. 


Nachdem am gegenüberliegenden Ufer auf 500 Meter die Ufersicherung teilweise entfernt wurde, konnten auch auf der linken Uferseite natürliche Gewässer- und Uferstrukturen entstehen.

 

Zwei reaktivierte Nebenarme, 600 und 200 Meter lang, bieten vor allem Jung- und Stillgewässerfischen wertvollen Lebensraum, es konnte sich auf 5 Hektar natürlicher Auwald entwickeln und zwei Autümpel bieten ideale Lebensbedingungen für Amphibien.

Nicht nur ein Paradies für Amphibien, sondern auch für wasserbegeisterte Hunde
Naturparadies St. Peterer-Au

„Als Naturschutzbeauftragter der Baubezirksleitung stellt für mich das LIFE-Projekt einen Meilenstein des Biotop- und Artenschutzes an der Mur dar.
Wenn man dann auch noch hautnah miterleben kann, mit welcher Vielfalt sich die Natur in den Projektgebieten zurückmeldet, kann man nur rundweg begeistert sein.
Das LIFE-Projekt hat aber nicht nur den Naturraum bereichert, sondern ganz wesentlich auch die Wertschätzung für den Lebensraum Mur gesteigert.
Der Erfolg dieser Maßnahmen sollte Ansporn für Folgeprojekte sein.“                     

(Franz WALCHER, Naturschutzbeauftragter)

die Bergwachtgruppen der Bezirke Judenburg, Knittelfeld und Murau

Dieser Meinung kann sich die Berg- und Naturwacht der Bezirke Judenburg, Knittelfeld und Murau nur voll und ganz anschließen.

 

Einen besonderen Dank für diesen hochinteressanten Tag und die aufschlußreichen Ausführungen möchten wir Herrn DI Peter Partl und Herrn DI Jörg Raderbauer von

freiland Umweltconsulting aussprechen.